Das Katharerland

 

Die Religion der Katharer entwickelt sich im zwölften Jahrhundert. Sie stûtzt sich auf die gleichen Texte wie das Christentum und basiert auf dem Neuen Testament. Die Anhänger dieses Glaubens nannten sich selbst Bonshommes und Bonnesfemmes ("gute Männer" und "gute Frauen"), während der Name "Katharer" ihnen von der römisch-katholischen Kirche gegeben wurde.

Der Katharerglaube unterscheidet sich von der römischen Kirche durch eine abweichende Interpretation der Rolle des Christus, und plädiert für eine Rückkehr zu dem Modell der Kirche des frühen Christentums.

 

 

Der Katharismus war eine Frage des Lebensstils, von zahlreichen moralischen Überzeugungen gekennzeichnet. Er lehnt kirchliche Hierarchie, weltliche Ehrungen, Orden und oberflächliches Gehabe ab. Der Glaube der Katharer basiert auf der Existenz von zwei gleichzeitig bestehenden Welten, wovon die erste, das Spirituelle und Unsichtbare, Gottes Schöpfung ist, während die zweite, die materielle Welt, das Sichtbare und Vergängliche, das Werk des Teufels ist.

In dieser dualistischen Weltsicht nimmt der Mensch eine besondere Stellung ein, da er wohl seine Seele von Gott erhalten hat, diese aber in einem materiellen Körper lebt, der vom Teufel geschaffen wurde. Daher ist es so schwierig, ein Mensch zu sein.

Die Anhänger des Katharismus glaubten an die Reinkarnation der Seele, und zwar unabhängig von materiellen Bedingungen und Geschlecht: So konnte man in diesem Leben der König sein, und im forlgenden die Magd des Königs werden. Das führte zu einer vollkommenen Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, da das Geschlecht einer Person nur dem Zufall zu verdanken war. So war der Katharismus eine der ganz wenigen Religionen, die den Frauen die gleichen Rechte und den gleichen sozialen Status zuerkannte wie den Männern. Auch der materielle Erfolg einer Person hatte keinen Einfluss auf  sein Ansehen und seinen Wert als Mensch.

Während nach dem Weltbild der römisch-katholischen Kirche das Paradis über und die Hölle unter der Erde ist, ist für die Anhänger der Katharer die Hölle nicht unter uns, sondern hier auf Erden.

 

Der Katharismus war sehr erfolgreich hier in der Region. Viele einfachen Leute und Feudalherren bekehrten sich zum Katharertum, zuerst vorallem die Frauen. Als Ketzer angesehen und eine politische (und finanzielle) Gefahr für die katholische Kirche darstellend, erlitt das Katharertum vom frühen dreizehnten Jahrhundert an eine gewalttätige und brutale bewaffnete Unterdrückung. Angetrieben von der katholischen Kirche, erstellte der König von Frankreich eine von Simon de Montfort angeführte Armee, die plünderte, mordete und schliesslich die ganze Region besetzte, welche damals noch nicht Teil des Königreichs Frankreich war.

Die bewaffnete Unterdrückung ging Hand in Hand mit der rechtlichen und religiösen Unterdrückung der Inquisition: Die Katharer waren bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der letzte Parfait, Bélibaste, starb im Jahr 1321 auf dem Scheiterhaufen in Villerouge-Termenès. Er wurde in Cubières sur Cinoble geboren, nur 6 km von uns entfernt.

 

(Die Festung Quéribus liegt bei uns ganz in der Nähe.)

 

Die Anhänger der Katharismus lebten in ganz Südfrankreich, vom Süd-Westen bis in die Lombardei in Italien. « Le Pays Cathare » ist also keine geographische Abgrenzung, sondern ein eingetragenes Warenzeichen des département Aude, das auf dem  historischen Erbe unserer Gegend aufbauend eine wirtschaftliche Entwicklung ableiten möchte.

Die Katharer selbst haben keine Burgen gebaut, und auch keine Kirchen: alles Materielle ist ja vom Teufel, und der Glaube braucht keine Gebäude : beten kann man überall.

Die meisten der Burgen, die « châteaux cathares » gennant werden, sind Grenzfestungen, die erst nach dem Vertrag von Corbeil im Jahre 1258 erbaut wurden, entlang der Grenze zwischen Frankreich und Aragon, die 400 Jahre dauerte.

Manche dieser Burgen gab es aber schon zur Zeit der Katharer, als die Gegend noch nicht zu Frankreich gehörte. Sie haben während der Verfolgung in ihnen Zuflucht gesucht.

Das Schloss von St. Pierre in Fenouillet war zum Besispiel solch ein Zufluchtsort. Ebenso das Schloss von Quéribus (oben abgebildet), das einer sich zum Katharismus bekennenden Familie aus dem Languedoc gehörte. Quéribus war die letzte Hochburg, die den Franzosen in die Hände fiel, im Jahre 1255.